Die Arbeit eines Anwalts besteht größtenteils aus Lesen, Suchen und Schreiben – Tätigkeiten, bei denen KI gut ist, solange die Daten bei Ihnen bleiben. Im Folgenden, wo sie realistisch hilft und wo wir uns bewusst zurückhalten.
Wo KI hilft#
- Dokumente — Dokumentenintelligenz: Hochgeladener Scan/PDF → Zusammenfassung, extrahierte Felder, Q&A mit Zitaten. Ende des manuellen Durchblätterns von Verträgen Seite für Seite.
- Recherche in Akten — Concierge RAG auf Ihrer Datenbank: Sie fragen nach der Bedeutung, erhalten eine Antwort mit Quellenangabe, nicht aus dem gesamten Archiv.
- Kundenbetreuung — Vorqualifizierung und Antworten auf häufige Fragen, mit Eskalation zum Anwalt, wenn der Fall es erfordert.
- Synthese — Forschungsagent: Sammelt öffentliche Quellen, überprüft und erstellt eine Notiz mit Quellenangaben – unter Aufsicht.
Wo KI sich zurückhält#
| Aufgabe | Rolle der KI |
|---|---|
| Akten zusammenfassen | hilft (mit Zitaten) |
| Suche in der Datenbank | hilft (semantisch) |
| Erste Kundenbetreuung | hilft (mit Eskalation) |
| Rechtsberatung | nein — das ist der Mensch |
| Prozessentscheidung | nein — das ist der Mensch |
| Vertretung | nein — das ist der Mensch |
Die Regel ist hart: KI bereitet Material vor und entlastet, aber Verantwortung und Entscheidung liegen beim Anwalt. Jede Antwort ist zitierfähig, damit sie überprüft werden kann, und bei schlechter Passung sagt das System „weiß ich nicht“ und eskaliert, statt zu erfinden.
Vertraulichkeit ist Grundvoraussetzung, kein Add-on#
Akten sind sensibel, daher ist die Datenresidenz eine bewusste Entscheidung. Der Datenpfad ist einfach und in sich geschlossen: Das Dokument bleibt bei Ihnen → Embeddings berechnen wir lokal mit dem BGE-M3-Modell → die semantische Suche läuft auf Ihrem Server → in die Cloud gelangt (wenn überhaupt) nur ein maskierter Prompt, ohne Namen, Aktenzeichen und personenbezogene Daten. Die Maskierung von PII ist ein Schritt vor jedem Aufruf eines externen Modells und keine zuschaltbare Option. Dieser Ansatz ist DSGVO-konform von der ersten Zeile an, nicht nachträglich angehängt.
Kennzahlen: was realistisch zu erwarten ist#
Konkrete Zahlen hängen von der Dokumentenqualität ab, deshalb geben wir sie als ehrliche Spannen an, nicht als Versprechen. Was wir am häufigsten sehen:
- Feldextraktion (Parteien, Beträge, Daten, Fristen) aus Verträgen und Schriftsätzen: meist 90–98 % Trefferquote bei sauberen, gedruckten PDFs; Rückgang auf ~80–90 % bei Scans, Fotos und handschriftlichen Notizen — hier kommt OCR mit geringerer Sicherheit ins Spiel. Kritische Felder (Beträge, Notfristen, Zustellungsdaten) prüft immer ein Mensch.
- Zusammenfassung mit Quellenangabe verkürzt die erste Durchsicht eines langen Dokuments um eine Größenordnung — vom Lesen Seite für Seite zu wenigen Minuten, um sich zu orientieren und zu den Stellen zu springen, die wirklich Aufmerksamkeit erfordern. Der Anwalt bestätigt das Ergebnis, statt ihm blind zu vertrauen.
- Konfidenz als Schwelle: Felder und Antworten unterhalb einer festgelegten Konfidenzschwelle gehen zur Prüfung durch einen Menschen, statt als „fertig“ weiterzulaufen. Das verschiebt das System bewusst in Richtung Vorsicht.
Diese Spannen sind ein Ausgangspunkt für ein Pilotprojekt, keine Garantie — die realen Werte messen wir in den ersten Wochen an Ihren Dokumenten.
DSGVO und der AI Act in der Kanzlei#
Aktendaten sind personenbezogene Daten, oft besonderer Kategorien (Gesundheit, Strafsachen, Vermögenslage). Zwei Konsequenzen:
- Auftragsverarbeitung. Läuft die Inferenz über eine externe API, ist ein Auftragsverarbeitungsvertrag (Art. 28 DSGVO) mit dem Anbieter erforderlich. Self-Hosting und lokale Embeddings beseitigen diese Anforderung an der Quelle — die Daten verlassen Ihre Infrastruktur nicht, also gibt es niemanden, dem sie anvertraut werden müssten.
- AI Act: begrenztes, nicht hohes Risiko. Ein Assistent in der Kanzlei bereitet nur Material vor — Beratung, Prozessentscheidung und Vertretung bleiben beim Anwalt. Ein solches System ist grundsätzlich ein System mit begrenztem Risiko, kein Hochrisikosystem im Sinne des AI Act. Es unterliegt jedoch der Transparenzpflicht (Art. 50): Ein Mandant, der mit dem Assistenten Kontakt aufnimmt, muss wissen, dass er mit einer KI spricht. Über Fristen und Pflichten schreiben wir ausführlicher im Artikel zu den AI-Act- und DSGVO-Pflichten 2026.
Die Einstufung einer konkreten Implementierung sollte man stets mit einem Anwalt bestätigen — der Kontext (z. B. Systeme zur Unterstützung von Entscheidungen von Behörden) kann sie ändern.
Live ausprobieren#
Der Kern der Dokumentenverarbeitung ist das Zusammenfassen unter Wahrung des Sinns. Fügen Sie einen Ausschnitt ein und sehen Sie das Ergebnis unseres Sandbox (Playground: PII maskiert, keine Speicherung):
FAQ#
Kann KI Rechtsberatung erteilen?#
Nein. KI bereitet Material vor — sie fasst Dokumente zusammen, durchsucht Akten, beantwortet allgemeine Fragen mit Zitaten — aber Rechtsberatung, Prozessentscheidung und Vertretung liegen beim Anwalt. Das System ist so konzipiert, dass es eskaliert, statt Kompetenzen vorzutäuschen, die es nicht hat.
Sind die Akten der Mandanten sicher?#
Ja — das ist Voraussetzung für die Implementierung. Sensible Dokumente verarbeiten wir lokal, Embeddings berechnen wir auf Ihrer Hardware, und PII maskieren wir, bevor etwas in die Cloud gesendet wird. Sensible Daten verlassen Ihre Infrastruktur nicht.
Womit sollte man in der Kanzlei anfangen?#
Mit einem eng umgrenzten, hochgradig repetitiven Prozess — z. B. das Zusammenfassen und Extrahieren von Feldern aus einem Vertragstyp. Der Return on Investment lässt sich leicht messen, und es ist sicher, der KI einen kleinen, klar definierten Bereich zu überlassen.
Was kostet das und wie berechnet man den Return?#
Die Kosten hängen vom Umfang ab (Anzahl der Dokumente, ob Hardware für lokale Embeddings nötig ist), und wir geben sie nach einer kurzen Bestandsaufnahme als Spanne an, nicht vorab. Ausgangspunkt ist meist ein kleines Pilotprojekt für einen Prozess, bei dem sich der Return an der pro Dokument eingesparten Zeit zeigt. Hilfreich ist der ROI-Rechner: Sie geben die Anzahl der Dokumente und die Zeit der manuellen Bearbeitung ein und erhalten eine orientierende Spanne der Einsparungen — ohne Übertreibung.
Worin unterscheidet sich das von einem Assistenten für ein internes Rechtsteam?#
Eine Kanzlei betreut viele Mandanten und externe Angelegenheiten, daher liegt der Schwerpunkt auf der Vertraulichkeit der Akten, der Extraktion aus Prozessdokumenten und der ersten Kundenbetreuung. Ein Assistent für ein internes Rechtsteam arbeitet innerhalb eines einzelnen Unternehmens — näher an Verträgen, Richtlinien und Fragen aus dem Business. Der technische Kern (RAG auf der eigenen Datenbank, PII-Maskierung, Mensch in der Schleife) ist gemeinsam; Kontext und Datenumfang unterscheiden sich.
